
Pressemitteilung
Kreativität im Zeichen der Zeit – Zukunftswerkstatt Urologische Praxis
Hamburg, September 2011
Das zweite Jahrzehnt des Alexander-von-Lichtenberg-Preises hat zur Freude seiner Initiatoren – das sind die Deutsche Gesellschaft für Urologie, der Berufsverband der Deutschen Urologen und die Takeda Pharma GmbH – außerordentlich vielversprechend begonnen. Der vierköpfigen Fachjury ist es dieses Jahr besonders schwergefallen, aus den zahlreichen und größtenteils qualitativ hochwertigen Bewerbungen einen Preisträger zu ermitteln. So wurden auf dem diesjährigen DGU-Kongress in Hamburg gleich zwei niedergelassene Urologen mit dem mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Alexander-von-Lichtenberg-Preis ausgezeichnet – Dr. Tobias Jäger, Essen, und Dr. Rolf Eichenauer, Hamburg. Außerdem wurde dieses Jahr zum zweiten Mal der Alexander-von-Lichtenberg-Sonderpreis verliehen und zwar an eine Vereinigung, deren Ziel die Verzahnung der Leistungssektoren in der Urologie auf Basis eines gemeinsamen Qualitätszertifikates ist. Für sein besonderes Engagement in diesem Verband würdigte die Jury Dr. Richard Berges aus Köln, der stellvertretend für den Dachverband der Prostatazentren Deutschlands e.V. die Ehrung entgegen nahm.
In seiner Laudatio für die Preisträger betonte Prof. Dr. Haas als Mitglied der Jury, dass die prämierten Arbeiten besonders die zukunftsweisende Richtung der Urologischen Praxis dokumentiere: „Vor dem Hintergrund der neuen Herausforderungen, die mit neuen Versorgungsverträgen und weiteren ökonomischen Reglementierungen auf die Urologischen Praxen zukommen, stehen die prämierten Arbeiten exemplarisch für eine Arbeitsweise, in der kooperatives Handeln und vorausschauendes Agieren die Eckpunkte einer zeitgemäßen Patientenversorgung markieren.“ Nicht zuletzt tragen die prämierten Arbeiten auch dem diesjährigen Kongress-Motto “Zukunft sichern – Talente fördern“ in besonderer Weise Rechnung. All das spricht für großes Engagement, außergewöhnliche Kreativität sowie medizinischen Pioniergeist und verdient nach Ansicht der Fachjury einen Preis.
Die prämierten Praxis-Projekte
Seine langjährigen Bestrebungen, den Nachwuchs im Fachgebiet Urologie zu fördern, haben Dr. Tobias Jäger, Urologische Praxisklinik Essen, dazu bewogen, ein Kooperationsprojekt zur Verbesserung der Lehre ins Leben zu rufen. Schon 2007, im Rahmen seiner Tätigkeit als Assistenzarzt und Studentenbeauftragter am Universitätsklinikum Essen, hat Jäger sich für eine Optimierung der Studentenausbildung außerhalb der Universitätsklinik engagiert. Als niedergelassener Urologe entwickelte er gemeinsam mit seinem Praxispartner Dr. Christian von Ostau und Kollegen aus dem Umfeld ein urologisches Modell der „akademischen Lehrpraxen“, das für die Allgemeinmedizin bereits seit Jahren etabliert ist. Das Hauptziel war und ist die Erweiterung des Ausbildungsspektrums im ambulanten urologischen Bereich. Zurzeit sind in diesem Projekt insgesamt 12 Fachärzte für Urologie engagiert, größtenteils mit universitärer Ausbildung und wissenschaftlichem Hintergrund und mit unterschiedlichen Zusatzqualifikationen, 2009 erfolgte die offizielle Berufung der Projektpraxen zur „Akademischen Lehrpraxis der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen“. Seitdem bieten die beteiligten Einrichtungen jedes Semester 100 – 150 Medizinstudenten die Gelegen-heit, einen Einblick in den vielschichtigen Praxisalltag niedergelassener Urologen zu bekommen – eine lohnende Investition in die Zukunft des Fachgebiets Urologie.
Als einer der Initiatoren des bisher bundesweit einzigen von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Prostatazentrums, hat sich Dr. Rolf H. Eichenauer, Hamburg, als weiterer Preisträger qualifiziert. Seine Gemein-schaftspraxis, die er mit seinen Kollegen vom Urologikum Hamburg, Drs. Geiger, Heinemann, Linn, Osieka, Suttmann und Wiechmann betreibt, gehört zum Prostatakrebszentrum des Marienkrankenhauses Hamburg. Die Praxis ist innerhalb des Prostatazentrums für die medikamentöse Tumortherapie sowie für die Durchführung klinischer Studien mit den gemeinsam behandelten Patienten verantwortlich. Seit 2001 besteht eine enge Kooperation mit dem Marienkrankenhaus in Hamburg, die zunächst für die operative Behandlung der urologischen Patienten außerhalb der Praxis eingegangen wurde. Heute ist durch diese Kooperation auch die optimierte Behandlung onkologischer Patienten möglich, denn durch die interdisziplinäre Anbindung an andere Institutionen wie Strahlentherapie und Pathologie werden die Patienten von einem gut informierten, hoch qualifizierten Team betreut – von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur posttherapeutischen Konferenz, wo über jeden Patienten individuell abschließend beraten wird.
Mit seinem jahrelangen, ehrenamtlichen Engagement für die Entwicklung, den Aufbau und den Unterhalt eines Zertifizierungssystems für Urologische Zentren, hat sich Dr. Richard Berges, Köln, mit der Realisierung des DVPZ e.V. Prostatazentren verdient gemacht. Das Potenzial solcher Zusammenschlüsse wird deutlich, wenn man sich das Erreichte vor Augen hält:
- Zusammenwachsen ambulanter und stationärer Leistungssektoren
- qualitative Verbesserung der Patientenversorgung
- Nutzung gemeinsamer Dokumentationsplattformen
Solche Zertifikate geben Strukturen vor, die sich auch auf andere Leistungsinhalte der Urologie übertragen lassen und entwickeln eine Dynamik, die auch ortsübergreifende Strukturen zulassen, sodass flächendeckende Versorgungs- und Qualitätskonstrukte entstehen können – zum Vorteil der Patienten und für berufspolitische Implikationen, z.B. im Rahmen von Versorgungsverträgen. Für diese Leistung, an der selbstverständlich auch zahlreiche andere Akteure beteiligt waren und sind, wurde Berges der Alexander-von-Lichtenberg-Sonderpreis verliehen – als besondere Würdigung seiner Leistung sowie für seinen unermüdlichen Einsatz zur Verbesserung der Qualität in der ganzheitlichen Versorgung urologischer Patienten.
Die Veranstalter des Alexander-von-Lichtenberg-Preises bedanken sich bei allen Teilnehmern für die tollen Praxis-Konzepte und wünschen allen niedergelassenen Kollegen weiterhin viel Freude an ihrer Arbeit.

- Foto v.l.n.r.: Dr. Richard Berges (Köln), Alida Cardinal (Takeda Pharma), Dr. Christian von Ostau und Dr. Tobias Jäger (Urologische Praxisklink Essen), Dr. Rolf Eichenauer (Hamburg).

